Das ist in der Tat leicht zu verwechseln. Also das Ding kommt erstmal mit nur einer App. Die heißt, auch auf Deutsch, Camera (foundation.e.camera). Das ist anscheinend ein Fork von Open Camera, praktisch alle Dialoge sind gleich.
Dann gibt’s eine, für die muss man in Einstellungen einen Schalter umlegen, dann erscheint nach einem Reboot “Kamera” (mit K, zumindest auf Deutsch?). Das ist com.fps.camera. Und die ist augenscheinlich ein Abkömmling der GCam die Google für ihre Pixel-Serie gemacht hat.
Die hat zwar auf dem GUI mehr Einstellungsmöglichkeiten, für die man in kein Menü rein muss, aber man kann nicht den Audio Input Stream auf unprocessed/raw umschalten, was das Problem mit dem extrem miserablen Mikrofon ein klitzekleines bisschen (aber nicht mehr) lindert, weil es das Post Processing umgeht, welches in lauten Umgebungen den ohnehin miesen Sound (weil der ADC überfahren wird) noch weiter verschlechtert, durch überflüssige Eingriffe, die vom zweiten Mikro getriggert werden.
Bisher dachte ich, nur com.fps.camera könnte die 50-Mpix-Auflösung, aber heute ist es mir gelungen, das auch in foundation.e.camera, also dem Open-Camera-Abkömmling, einzustellen.
Alles wäre einfacher, wenn Fairphone endlich mal die Userbeschwerden in den Foren (seit FP4 !!) Ernst nehmen würde und einfach mal auch in lauten Umgebungen testet. Dann würde man so etwas wie https://www.youtube.com/watch?v=z7UPJ4UtFg0 erkennen. Und abstellen. Bevor die Dinger ausgeliefert werden.
Nach ein bisschen Experimentieren mit Apps, bei denen man den Vorverstärker beeinflussen kann (bei den meisten geht’s nicht, aber bei Blackmagic geht es und bei Neutron auch), kann ich die Aussage treffen, dass Fairphone mit den Standardeinstellungen den Vorverstärker irre aufdreht - und dann in lauten Umgebungen den ADC gnadenlos überfährt. Der kommt heftig ins Clipping (man muss sich nur mal die Signalform von dem Audio ansehen…), da kann kein Postprocessing mehr irgendwas retten.
Ich war nicht dabei, aber für mich als Außenstehender, aber nicht-ganz-Laie, sondern vorbelastet, sieht es so aus, als wenn man bei Fairphone nur an Lautstärkespitzen gedacht hat, die man zum Teil ausregeln und zum Teil ignorieren kann (was z.B. beim Nahbesprechen eines Mikrofons immer passiert, wenn man z.B. ins Mikro pustet oder laut redet), aber nicht daran, dass z.B. bei einem Konzert oder in einer Tanzschule oder Disko dauerhaft so ein Pegel mit Musik anliegt. Und welcher Schalldruck aus Bässen daherkommen kann. Und wenn man dann den Preamp nicht zudreht (entweder automatisch, also ALC, oder indem man dem User mal was zutraut und einen Regler dafür einbaut), dann kann nur Müll rauskommen.
Ich finde, bei einem 600-Euro-Smartphone muss man davon ausgehen, dass man auch mal ein Video von einer Liveband machen will, um den Moment einzufangen. Weil er sonst unwiderbringlich weg ist. Niemand erwartet da Studioqualität. Aber so ein Mist wie in dem Youtube-Video (das ist nicht von mir, aber ich könnte ein halbes Dutzend ähnliche Dinge posten), sowas darf nicht passieren.