đŸ‡©đŸ‡Ș Kritischer Bericht eines Schweizer Magazins ĂŒber die Firma Fairphone

Salut zusammen,

ich schreib den Beitrag mal auf Deutsch, weil der verknĂŒpfte Text auch auf Deutsch ist:
Laut der vierteiligen Berichtserie des Lamms kann die Firma Fairphone ihre hohen Ideale und AnsprĂŒche, was die Produktionsbedingungen und ihre Verbesserungsmöglichkeiten angeht, leider nicht einhalten.

Es hat mich ein bisschen gewundert, wie sehr die RealitĂ€t und die Selbstdarstellung von Fairphone anscheinend voneinander abweichen und daher wĂŒrde gerne eure EinschĂ€tzung hören.

Danke und Gruss

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Ich weiß nicht ob man das Magazin nennen soll, da sie keinem Verlag unterstellt sind. Ich wĂŒrde das eher als Blog bezeichnen. Wie sie sich ĂŒbrigens selber beschreiben:

“Das Lamm wurde vor ĂŒber zehn Jahren als Nachhaltigkeitsmagazin gegrĂŒndet. Heute teilen wir die Ansicht, dass Nachhaltigkeit keine Frage des individuellen Konsums, sondern vor allem eine Frage der globalen Strukturen und SolidaritĂ€t ist.”

Wer von vornherein glaubt, dass individueller Konsum nichts verĂ€ndert, glaubt auch von vornherein nicht dass das Kaufen eines Fairphones etwas Ă€ndern wird (selbst wenn Fairphone alles perfekt machen wĂŒrde). Entsprechend glaube ich nicht, dass ein befangener Beitrag Fairphone gerecht wird.

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Ich weiss nicht warum man auf denen rum hacken muss, die schon vieles Besser machen und immer meint es muss 100% perfekt sein und zwar sofort. Außerdem verstehe ich nur bedingt warum es schlecht ist wenn andere den gleichen Zinn nutzen? Beweist es nicht eher, das sich was tut?
Alles wird schlecht gemacht und irgendwie finde ich auch man versucht viel zu viel Info in viel zu wenig Text zu packen. Aber eigentlich beweist sie damit auch nur wie schwierig es ĂŒberhaupt ist, durchzublicken, auch fĂŒr Hersteller wie Fairphone. Statt auf Fairphone rum zu hacken, sollte man lieber mal die anderen in den Arsch trehen, die nix in der Beziehung tun.Vieles auf das sie sich bezieht ist mit dem FP4 ja quasi hinfĂ€llig, denn dafĂŒr wird ja recyceltes Zinn verwendet.

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Ich hab mir alle vier Teile durchgelesen.
Sehr ernĂŒchternd, wenn mensch geglaubt hat, daß der Kauf eines FP die Welt rettet (Ich weiß gar nicht, ob sie gerettet werden will, aber das ist ein anderes Thema.).

FĂŒr mich steht (auch ohne das) fest, daß das eigentliche Problem der Kapitalismus selbst ist. Der schafft einfach, viele Menschen zur Akten treiben, die aus Verzweiflung oder Gier begangen werden - mit unterschiedlicher moralischer Bewertung - und ich denke, daß es darum geht: Die Bedingungen, unter denen das gefördert und hergestellt wird, was wir benutzen.

Die unterschiedliche moralischen Bewertung liegt fĂŒr mich darin, ob die betroffenen Menschen eine Grundversorgung haben oder nicht.
Wir haben sie fast alle, selbst ein GrundsicherungsempfĂ€nger wĂ€re - nach Mumbai oder Kinshasa gebeamt - ein reicher, verrĂŒckter EuropĂ€er.

Wenn ich dann ein Projekt unterstĂŒtze, daß sich die Fairness ins Gebetbuch geschrieben hat, stellt sich halt die Frage, wie der faire Einfluss tatsĂ€chlich ausgeĂŒbt wird - oder eben nicht.

Der deutliche Hinweis auf die nachlassende Transparenz hat schon was SĂ€uerliches.

Toll ist, daß ich das Ding auseinandernehmen kann, wie es mir passt, der Spirit in den Foren und vor allem, wenn es funktioniert. Das ist mir viel wert.

Daß ich nun erfahre, wie schwierig es ist, hier auch nur zu erkennen, wo genau was herkommt, finde ich blöd. Hat mir vorher keiner gesagt. Und fĂŒr meinen Geschmack mĂŒsste mal nach den tatsĂ€chlichen Bedingungen gefragt werden, also ob es stimmt, daß die “handwerklichen” Bergarbeiter mit prekĂ€ren Produktionsbedingungen den grĂ¶ĂŸten Teil der Zeche zahlen, wĂ€hrend Fairphone selbst nichts beisteuert.
Das interessiert mich.

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Das “Problem” ist, dass sie damit Recht haben. Das Konzept von persönlicher Verantwortung fĂŒr diese Dinge wurde von der Industrie geschaffen, um die öffentliche Diskussion von sich wegzulenken, nach dem Motto “Wir Produzenten sind nicht das Problem, du kaufst die Sachen ja schließlich. Kehr lieber zuerst vor deiner eigenen TĂŒr”.

Das verzerrt halt komplett das Bild, weil man als Konsument eigentlich davon ausgehen können sollte, dass bei der Hersellung eines Produkts, das man kauft, die Menschenrechte nicht verletzt werden, zumal man ja oft micht amal die Möglicheit hat, sich fĂŒr ein wirklich nachhaltiges Produkt zu entscheiden. (Über den best-in-class-Ansatz reg ich mich ein anderes Mal auf, aber ich finds erbĂ€rmlich, dass FP sich auf dieses Niveau herunterlĂ€sst)

Ein Paradebeispiel ist der persönliche CO2-Fußabdruck. Der wurde 2004 von BP erfunden, um die Schuld am Klimawandel auf den einfachen BĂŒrger abzuwĂ€lzen, obwohl BP mit aller Macht gegen eine Dekarbonisierung der Wirtschaft lobbyiert. Solange die Leute mit sich selbst beschĂ€ftigt sind und glauben, sie Ă€ndern was, wenn sie ein Mal pro Woche ins BĂŒro radeln, muss BP keine Angst haben.
Man kann solche Probleme nur auf politischer Ebene lösen, nur auf Eigenverantwortung zu appellieren ist nicht der richtige Weg.

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Unterm Strich ist es doch die Kombination aus beidem. Und je mehr schon mal Eigenverantwortung ĂŒber nehmen, umso mehr Druck konnte doch auf Firmen und Politik entstehen. Ich denke Schwarz-Weiss denken hilft leider gar nicht, egal in welche Richtung

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Ist nicht der allergrĂ¶ĂŸte Teil unsere Wohlstands damit begrĂŒndet, dass es uns und den Generationen vor uns scheißegal war, was anderswo bzgl. Menschenrechten passiert? Ich nehme das beispielweise auch als Grund dafĂŒr wahr, warum viele (vor allem) Ă€ltere Personen sich scheinbar nicht damit abfinden wollen, mehr fĂŒr Energie und Lebensmittel zu zahlen, um das Klima zu retten. Sie kennen hĂ€ufig nur Jahre des Wachstums und billiger Preise. Glaube, vielen in unserer Gesellschaft ist das Konzept eines Mangels gar nicht wirklich bewusst und entsprechend schwer tut man sich dann mit “EinschrĂ€nkungen”.

Ich kann dir leider absolut nicht zustimmen, wenn du die Verantwortung (allein) auf die Industrie schieben willst. FĂŒr wen produziert die Industrie? FĂŒr uns Konsumenten, Individuen. Und somit liegt meiner Meinung nach ein großer Teil der Verantwortung bei uns. Wenn es nur Problemprodukte gĂ€be und uns die Menschenrechte und die Bewahrung der Umwelt so unheimlich viel bedeuten wĂŒrden, dĂŒrften wir solche Produkte gar nicht kaufen. Ist das eine Option? Das hat jeder selbst zu entscheiden.

Ich glaube, die ganze Diskussion hat ein großes Potenzial dafĂŒr nach dem “Schwarz-Weiß”-Schema gefĂŒhrt zu werden. Das wird der KomplexitĂ€t und vor allem auch der Geschichte nicht gerecht.

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Auch wenn die Frage nach der Verantwortung der Verbraucher und seine Einflussmöglichkeiten nicht unwichtig ist, wĂŒrde ich gerne die Diskussion wieder ein bisschen einfangen und daher auf konkrete Aussagen zu der Berichtreihe eingehen:

UnabhĂ€ngig davon, ob der Beitrag befangen ist oder nicht, trifft die Berichtreihe Aussagen. Die Frage ist daher nun, ob die Aussagen der Berichtreihe wahr oder falsch sind. Der Wahrheitsgehalt von Aussagen hat aber erstmal nichts mit Befangenheit oder einem “Anspruch gerecht werden” zu tun.

Versteh mich bitte nicht falsch, aber wenn man einen gerechten Umgang mit Produzenten prominent in seinen Werbekampagnen nutzt, erwarte ich in dieser Hinsicht auch eine deutliche Vorreiterrolle.

Sowohl auf der Seite https://support.fairphone.com/hc/en-us/articles/4404656100753-FP4-Frequently-Asked-Questions-FAQ- als auch auf der Seite https://www.fairphone.com/en/legal/fairphone-4-tagline-explained/ steht

Your Fairphone 4 contains recycled tin, for example 100% of the solder is made from recycled tin.

Diese Formulierung hört sich in meinen Ohren recht vorsichtig an, da “contains” einen Zinnanteil von 1 % bis 100 % abdecken kann.

Beim SĂ€uerlichen stimm ich dir zu . Da wir aber Fairphones Seite nicht gehört haben, sollten wir mit einem endgĂŒltigen Fazit vorsichtig sein.

Das wĂ€re auch ein Punkt, wo ich der Chancengleichheit wegen Fairphones Sichtweise hören wĂŒrde, bevor ich mein Fazit ziehe.

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Das wird in dem Blog aber komplett aussen vor gelassen, alles worauf sie sich bezieht sind sehr alte Aussagen. Es ist doch weiter Bewegung und VerÀnderung und Verbesserung sichtbar.

Und wo genau ist Fairphone das nicht? Zinn und die Schmelzen sind ja nicht alles und nur weil man bei einem vielleicht gleich auf ist, ist gleich alles schlecht? Außerdem ist Fairphones Mission ja nicht, der Einzige zu bleiben sondern insgesamt was zu verĂ€ndern.

Ich sage nicht, dass es nix zu kritisieren gibt, aber ich finde es sehr seltsam wenn man nur noch das negative sieht und nicht das ganze Bild. Fairphone ist immer noch recht klein und Sie mĂŒssen aus einem krankenden System heraus gegen “die grossen” kĂ€mpfen. Das geht leider nicht mit Luft und Liebe alleine und die Pipi Langstrumpf Methode wĂ€re wenig zielfĂŒhrend. Sprich zumindest ein wenig muss man sich in das bestehende System erstmal einfĂŒgen, was nicht heißt, das man dort bleiben muss. Es gibt ja viele Initiativen auch am System was zu Ă€ndern wie z.b die Wellbeing Economy. Aber alles auf einmal ist vermutlich einfach unmöglich. Ich finde auch, wenn Kritik dann konstruktiv, wenn ich unterstĂŒtzen möchte, aber der Blog macht irgendwie einfach nur alles schlecht.

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Der “Blog” sagt von sich selbst:

Das Lamm ist ein selbstorganisiertes Onlinemagazin, ein journalistisches Projekt und ein redaktionelles Kollektiv. Es finanziert sich durch die UnterstĂŒtzung seiner Leser:innen und ist nicht profitorientiert ausgelegt. Alle Artikel sind seit jeher fĂŒr alle Menschen frei zugĂ€nglich und das Magazin ist gĂ€nzlich werbefrei.
(https://daslamm.ch/ueber-uns/)

Das hört sich an wie ein Projekt, das mir gefÀllt. Es hat QualitÀt, ist werbefrei und genuin schweizerisch. Da ist die erklÀrte Abwesenheit von Profitorientierung schon ein weiteres QualitÀtsmerkmal.
Das als “Blog” zu bezeichnen, geht schon in Richtung Diffamierung.

Die haben offensichtlich hart gearbeitet, Sachen erklÀrt, die ich nicht wissen wollte und dabei an einigen Stellen auf Punkte gezeigt, die mich interessieren.
Da hake ich nach.

Das hat mit “schlecht machen” nichts zu tun.
Im Gegenteil: Wer das Gute - im Gegensatz zum “Normalen” - als Anspruch hat, muss sich halt genau daran messen lassen.
Was Das Lamm (zumindest mir) zum ersten Mal gezeigt hat, ist der geringe Impact, den der Fairphone-Ansatz auf der wirtschaftlichen Ebene hat.
Das erscheint auch logisch, denn es geht eben nicht um Millionen von Telefonen, sondern nur um ein paar Hunderttausend, und ich kaufe auch nicht alle Jahre eins. Da kann ich mir wohl kaum einbilden, daß der Einfluss, den ich ĂŒber Fairphone ausĂŒben kann, grĂ¶ĂŸer ist als ein miniwinziges Schmierproblem im Reibach der Konzerne.

Kapitalismus eben.
Alles hÀngt zusammen.
Das Prinzip ist Wachstum um jeden Preis.

Erst lobt Das Lamm Fairphone als Überlebende in einem Spiel, das selten zu gewinnen ist, dann haut es drauf:

[Die sogenannten Sozialunternehmen] versuchen im Grunde jedoch nichts anderes zu tun, als kapitalistische Machtstrukturen und GeschĂ€ftsmethoden so zu nutzen, dass soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt steht. Die Unternehmensgeschichte von Fairphone ist das beste Beispiel hierfĂŒr.
(Fairphone: Der Preis des Wachstums)

Das halte ich fĂŒr die falsche Frage.
Wenn es wahr ist, daß das “faire” System im Zinnbereich hauptsĂ€chlich von denen finanziert wird, die es zum Überleben brauchen, ist das brutaler Etikettenschwindel und eine Sauerei.
Praktisch betrachtet ist das nichts anderes als Schutzgelderpressung.
Da will ich nichts mit zu tun haben.
Augenscheinlich hat Fairphone das aber.
Und dadurch hab ich das auch.

Und mein Luxus-Gewissen hat ein Problem damit, ganz normalen spĂ€t-kolonialistischen Dreck zu finanzieren. Das kann ich mir nur leisten, weil ich einer von denen bin, die an der Spitze der Nahrungskette sitzen. Es macht mir aber keinen Spaß.
“Change is in your hand.”
So isses.
Isses so?

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Man kann ja die Konsequenz ziehen und sich Dinge die sich solch moderner Sklaverei bedienen, einfach nicht zu kaufen. Dann musst Du halt auf verdammt viel verzichten. Ich finde wenn man das nicht schafft, muss man mit seinem moralischen Zeigefinger doch recht zurĂŒckhaltend sein.
Ich halte es immer noch fĂŒr sinnvoller die zu unterstĂŒtzen, die zumindest anfangen etwas zu Ă€ndern, statt diejenigen, denen es komplett Scheiss egal ist. Wirklich was Ă€ndern wird sich erst, wenn auch die grossen (und hier geht es ja nicht nur um Smartphones) auch mitziehen. Ansonsten bleibt bleibt es der Kampf David gegen Goliath und unterm Strich wird sich gar nix Ă€ndern am System. Dennoch halte ich ein GerĂ€t in HĂ€nden, was zumindest drĂŒber nachdenkt und nichts desto trotz einiges Besser macht. Das Fairphone mag evtl in Bezug auf Zinn nicht ethischer sein als andere, aber ist es im Gesamten trotzdem noch.

Ich habe die Artikel schon vor einigen Wochen zum ersten Mal gelesen und lese sie gerade ein 2. Mal und ich finde sie weiterhin schlecht geschrieben. In meinen Augen wÀre es seriöser Journalismus, einfach erstmal nur Fakten aufzuzeigen, wenn ich denn dann als Journalist auch noch meine persönliche Meinung einbringen möchte, finde ich gehört das ans Ende in eine Zusammenfassung. So wirkt es einfach wesentlich glaubhafter und nicht nur danach eine Firma diskreditieren zu wollen.
Die Artikelreihe jedoch wertet vom esten Absatz an, der Unterton ist durchgĂ€ngig sehr negativ bzw, zieht einiges fast ins LĂ€cherliche. SĂ€tze wie trotzdem verweist Fairphone weiterhin auf die angebliche RĂŒckverfolgbarkeit ihrer Lieferkette ist ja ohne vorherige Beweiskette, das dem nicht so ist, erstmal kein Fakt sondern direkt eine Wertung durch das Wort angeblich. Der Fakt wĂ€re trotzdem das es die Conflict Free Tin Initiative nicht mehr gibt, verweist Fairphone immer noch auf die RĂŒckverfolgbarkeit ihrer Lieferkette. Dann kann man anhand von Fakten offenlegen, wo das evtl nicht (mehr) stimmt.

Ich bin perplex: Wie bitte kann mein Fairphone fairer sein als ein normales Samsung oder iPhone, wenn das Zinn aus denselben Schmelzen stammt?
Dieser Satz ist doch einfach nur reisserischer Blödsinn. Nicht nur Zinn macht das Fairphone fairer. Da werden doch Dinge verzerrt und zusammengekĂŒrzt. Entweder es geht mir ums Zinn und Fairphone oder um Fairphone im Ganzen und wenns um Fairphone im Ganzen geht, mĂŒsste ich auch wirkliche alles durchleuchten und berĂŒcksichtigen und nicht nur einen kleinen Teil und von diesem kleinen Teil, dann auf das Ganze schliessen.

Also selbst wenn die Artikel (in Teilen) recht haben mit der Kritik, finde ich die Artikel dennoch nicht gut geschrieben bzw. aufgrund des von vorneherein wertenden negativen Grundtenors, stelle ich persönlich die GlaubwĂŒrdigkeit durchaus in Frage und da hilft es auch nicht, das man mir durch ein persönliches Intro (ich habe selbst ein FP2) versucht Gemeinsamkeiten zu suggerieren. Das grenzt in meinen Augen an billige Manipulation. Solche Artikel spielen doch nur Apple und Co. in die HĂ€nde. Als der Nachhaltigkeit verschriebens Magazin, gehört es in meinen natĂŒrlich zu den Aufgaben, MissstĂ€nde aufzudecken, aber die Art und Weise sollte doch so sein, das ich helfe weiter zu verbessern und nicht das alte System zu fördern, weil alle denken, ach ist doch eh alles sinnlos, hilft doch eh nicht was ich tue.

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und um mal einen Artikel als Gegenbeispiel hinzuzufĂŒgen mit dem Augenmerk auf folgende Aussagen:

Trotzdem ist das Fairphone immer noch weit entfernt von „fair“. Das schreibt die Firma selbst auf ihrer Homepage. Es gebe buchstĂ€blich tausende soziale und ökologische Standards, die die Herstellerfirmen bei der Produktion von Smartphones verbessern können.

Fachliche Expertise aus Berlin

 Das weiß auch Melanie Jaeger-Erben. Sie leitet das Fachgebiet TransdisziplinĂ€re Nachhaltigkeitsforschung in der Elektronik an der TU Berlin. Ihrer Meinung nach mĂŒsste es vor allem verbindliche institutionelle Regeln und Strukturen geben. Das Lieferkettengesetz ist zwar ein Anfang, aber kleinere Unternehmen wie beispielsweise Fairphone verpflichtet es bisher nicht.

Ihre Kollegin Marina Proske vom Fraunhofer-Institut fĂŒr ZuverlĂ€ssigkeit und Mikrointegration in Berlin sieht Verbesserungsbedarf bei Fairphone. Die Firma habe noch keine messbaren Ziele, sondern versuche, Schritt fĂŒr Schritt besser zu werden. Allerdings habe Fairphone als kleiner Hersteller auch weniger Möglichkeiten, auf große Zulieferer einzuwirken. Dennoch sagt Proske: „Gerade auf der Materialseite sieht man die Erfolge sehr gut: Faires Gold, faires Zinn, recyceltes Neodym. Sie sind da meiner Meinung nach sehr transparent, was bisher erreicht wurde und was nicht.‘‘

Dieser Artikel ist doch wesentlich nĂŒchterner und positiver verfasst und dennoch ist ja lesbar, das noch viel Raum fĂŒr Verbesserung ist.

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Das ist meiner Meinung nach genau 180° der falsche Ansatz. Niemand kann in einem reichen Industrieland zu 100% ethisch konsumieren (wie auch immer man das definiert). Nach deiner Aussage dĂŒrfte dann aber niemand MisstĂ€nde anprangern, weil man ja selbst nicht perfekt ist.* Wenn alle Menschen nach diesem Schema vorgehen wĂŒrden, wĂŒrde nie was weitergehen.


* zB gĂ€be es dann keine Fridays for Future Demonstrationen mehr, weil was fĂ€llt den Menschen ein, fĂŒr klimagerechtere Politik zu demonstrieren, wo sie doch alle allein durch ihr normales Leben in Europa schon fĂŒr 3x so viel CO2 “verantwortlich sind”, wie sie eigentlich dĂŒrften. Rein auf Eigenverantwortung zu appellieren funktioniert bei Problemen dieser Komplexitat nicht. Man muss bei den Verursachern ansetzen, und das sind in diesem Fall die Industrie, und indirekt die Politik, weil sie der Industrie erlaubt so zu arbeiten, wie sie es aktuell tut.

ich denke da haben wir uns falsch verstanden bzw sind eigentlich einer Meinung. Ich meinte den moralischer Zeigefinger gegenĂŒber Fairphone, weil sie nicht perfekt sind, eben genau weil es einfach derzeit noch nicht perfekt geht, weder fĂŒr mich als Person noch fĂŒr Fairphone als Firma. Also den Maßstab den man bei sich selbst ansetzt, muss man dann auch anderen gewĂ€hren. Und das man nicht nur auf Eigenverantwortng setzen kann, hatte ich oben schon durchaus bestĂ€tigt, es ist die Summe aus allem.

Edit: mein “lieblings Beispiel” dafĂŒr ist immer der Shitstorm der sich ĂŒber Greta ergossen hat, weil Sie mit einer Plastikverpackung gesehen wurde. Sowas ist doch einfach lĂ€cherlicher Whataboutism um abzulenken. Ich finde bei Menschen von FFF oder Firmen wie FP gibt so eine quasi Null Fehler Toleranz, sprich wehe man wird “erwischt” das man bei irgendwas nicht ganz perfekt ist (wobei ich auch nicht denke das FFF oder FP sowas jemals von sich behauptet hĂ€tten), dann ergiesst sich gleich ein riesiger Eimer Sch
 ĂŒber einem aus, man ist enttĂ€uscht und fĂŒhlt sich persönlich betrogen. WĂ€hrend man bei Apple und Co. eher it den Schultern zuckt, weil ist ja groß, lĂ€sst sich halt nicht Ă€ndern.

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Menschen machen Fehler.
Auch in Argumentationen.
Nun gibt es allerdings einen Unterschied zwischen einer “Null-Fehler-Toleranz” und dem Hinweis auf einen klaren und erkannten Mißstand. Den finde ich sehr deutlich in den Lamm-Artikeln, denn es kann nicht sein, daß die handwerklichen Produzenten die grĂ¶ĂŸte Last tragen, wĂ€hrend sich “unsere” Firma da gar nicht beteiligt.
Deshalb habe ich die Frage aufgeworfen, ob es wahr ist, daß das “faire” System im Zinnbereich hauptsĂ€chlich von denen finanziert wird, die es zum Überleben brauchen.
Bisher habe ich darauf keine zufriedenstellende Antwort bekommen.

Die wirst Du hier im User Forum auch nicht bekommen, dazu musst Du dann Fairphone um eine Darstellung bitten. Ob das dann zufriedenstellend ist, steht auf einem anderen Blatt.

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Es widerspricht bisher niemand.
Das ist doch schon mal eine Information.

Und ich finde, solche WidersprĂŒche sollten von Fairphone proaktiv behandelt werden.
Aussitzen ist nicht nachhaltig.

Man muss nicht an jeder hitzig gefĂŒhrten Diskussion im Internet teilnehmen um eine Meinung zu haben
 :roll_eyes:

Still sein und an einer besseren Welt arbeiten ist auch eine Option.

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Hier scheint mir niemand hitzig.
Andererseits ist “Ruhe” als erste BĂŒrgerpflicht nicht so mein Ding: Wenn etwas problematisch ist, muss es ausgesprochen werden. Sonst kommt ja keiner drauf oder glaubt, er ist allein mit dem Gedanken.

Ich habe kein Problem damit, daß die Welt ist, wie sie ist, sondern dass sie möglicherweise so bleibt oder noch schlimmer wird. Da muss ich auf den Punkt zeigen, wenn der ethisch-moralische Ansatz, aus dem ich handle, durch einen Akt dessen konterkariert wird, den ich fĂŒr den Guten halte. Das gilt auch, wenn es einfach “nur” ein Etikettenschwindel im System ist - wer als Akteur versĂ€umt, ihn zu benennen, nimmt aktiv daran teil.
FĂŒr mich geht es eher darum, zu sagen, was ist. Das ist die einzige mir bekannte Weise, wie Probleme erkannt und beseitigt werden können.
Whataboutism erzeugt bei mir nur KopfschĂŒtteln.

Was ich als Fazits der Artikel verstehe:

  • FP ist auch nicht besser als andere
  • FP kann sowieso nichts ausrichten
  • FP ist blöd weil Kapitalismus blöd ist

Kritisch greenwashing zu hinterfragen ist ja gut, ich bin 100% davon ĂŒberzeugt dass es viel Verbesserungspotenzial bei FP gibt und ich hoffe sie nehmen sich die Kritik zu Herzen, egal wie sie formuliert ist. (Ich betreibe selbst eine Firma die mehr als nur Gewinne machen will. Und auch bei uns gibt es noch 1000 Sachen zu verbessern.) Trotzdem empfinde ich die Artikel insgesamt als unfair. Zu viele Dinge werden vermischt, Dinge werden auf der einen Seite gerechtfertigt (z.B. Massenbilanzmodellen) aber FP trotzdem dafĂŒr kritisiert.

Und was soll der Leser den nach dem Artikel denken bzw. machen?
Wir können die Welt eh nicht retten und FP hat große Ziele aber ist auch nicht besser als andere, na dann hab ich ja eine super Ausrede wieder nur auf mich zu sehen und mein nĂ€chstes Phone nur nach Kosten vs. Features aussuchen.

Wie oft hab ich das Argument schon gehört

  • beim gelben Sack wird nicht alles recycled - also brauchen wir keine MĂŒlltrennung
  • Fairtraide-label oder Bio-label sind nicht 100% zuverlĂ€ssig - also kaufe ich ein wie bisher
  • elektro-MobilitĂ€t verursacht auch COÂČ - dann kann ich weiter meinen fetten Verbrenner fahren
  • 


Und so Àndert sich nichts, jeder hat eine schöne Ausrede warum ICH nichts Àndern kann.

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